Udawalawe-Nationalpark: Wo Elefanten in Sri Lanka fast garantiert sind
Es gibt in Sri Lanka einen Ort, an dem die Frage nicht lautet, ob man wilde Elefanten sieht, sondern nur, wie viele es heute werden. Der Udawalawe-Nationalpark liegt in der Trockenzone im Süden der Insel, an der Grenze zwischen den Provinzen Sabaragamuwa und Uva, und schmiegt sich um den großen Udawalawe-Stausee am Walawe-Fluss. Auf den offenen Grasebenen des Parks grasen Familienherden in aller Ruhe, einzelne Bullen stehen bis zu den Knien im Wasser des Sees, und Jungtiere drängen sich in den Schatten ihrer Mütter, während die Safarijeeps in respektvollem Abstand verharren. Kaum ein Schutzgebiet Asiens bietet eine derart verlässliche Begegnung mit wilden Elefanten.
Ein Stausee schuf einen Nationalpark
Die Geschichte von Udawalawe beginnt nicht mit dem Naturschutz, sondern mit dem Wasserbau. Als der Walawe-Fluss aufgestaut wurde, um Bewässerungsfelder und Stromerzeugung zu ermöglichen, verloren viele Wildtiere ihre angestammten Lebensräume im überfluteten Tal. Als Antwort darauf wurde das Umland des neuen Stausees im Jahr 1972 zum Nationalpark erklärt. Das Schutzgebiet sollte zwei Aufgaben erfüllen: das Einzugsgebiet des Sees vor Erosion und Rodung bewahren und den vertriebenen Tieren eine neue Heimat geben. Heute umfasst der Park gut dreihundert Quadratkilometer und zählt zu den meistbesuchten Wildnisgebieten des Landes. Der See ist dabei weit mehr als Kulisse: Er ist das ökologische Herz des Parks, das in der Trockenzeit Tiere aus der gesamten Umgebung an seine Ufer zieht. Wenn der Wasserstand sinkt, verwandeln sich die freigelegten Uferflächen in saftige Weidegründe, auf denen sich Elefanten, Büffel und Hirsche zu eindrucksvollen Ansammlungen einfinden, während Fischer in schmalen Booten am gegenüberliegenden Ufer ihre Netze auslegen. So verbindet der See bis heute auf sinnfällige Weise die Menschen der Region mit der Wildnis, der er einst ihren Raum nahm.
Warum man die Elefanten hier wirklich sieht
Elefanten leben in vielen Nationalparks Sri Lankas, doch nirgendwo sind sie so leicht zu beobachten wie in Udawalawe. Der Grund liegt in der Landschaft. Weite Teile des Parks bestehen aus offenem Grasland und niedrigem Buschwerk, ein Erbe früherer Nutzung, bevor das Gebiet unter Schutz gestellt wurde. Wo dichter Wald die grauen Riesen andernorts hinter grünen Wänden verbirgt, breitet Udawalawe sie auf einer savannenartigen Ebene aus, hinter der im Norden die Berge des Hochlands aufragen. Mehrere Hundert wilde Elefanten der srilankischen Unterart des Asiatischen Elefanten nutzen den Park und pendeln zwischen Weidegründen, Wasserlöchern und Seeufer. Herden unter Führung erfahrener Leitkühe gehören zum Alltag jeder Pirschfahrt, und einzelne Bullen fressen oft seelenruhig direkt neben der Piste, als wären die Fahrzeuge Teil der Landschaft.
Wer sich Zeit nimmt, erlebt Verhalten, das ein flüchtiger Blick im dichten Wald nie offenbaren würde: die ständige zärtliche Rückversicherung zwischen Kühen und Kälbern, das ausgiebige Staubbad nach der Suhle, das tiefe Grollen, mit dem eine Herde ihren gemächlichen Zug über die Ebene abstimmt. Eine Stunde mit einer entspannten Herde und einem guten Guide lehrt mehr über Elefanten als jede noch so lange Liste abgehakter Sichtungen. Genau darin liegt der eigentliche Zauber von Udawalawe: nicht im bloßen Sehen, sondern im ungestörten Zuschauen.
Das Elephant Transit Home
Unmittelbar vor den Toren des Parks arbeitet eines der angesehensten Naturschutzprojekte des Landes. Das Elephant Transit Home wurde Mitte der Neunzigerjahre von der staatlichen Wildtierbehörde gegründet und nimmt verwaiste Elefantenkälber aus ganz Sri Lanka auf. Die Jungtiere werden mit möglichst wenig menschlichem Kontakt großgezogen und ausgewildert, sobald sie alt genug sind, um allein zurechtzukommen. Viele der freigelassenen Tiere haben sich später wilden Herden im Udawalawe-Park angeschlossen. Streicheln oder gar Reiten ist hier ausgeschlossen, und genau das macht die Einrichtung glaubwürdig: Sie existiert für die Elefanten, nicht für die Unterhaltung der Besucher. Von einer Aussichtsplattform aus lässt sich dennoch verfolgen, wie die Kälber zu den festen Fütterungszeiten heranstürmen und sich lautstark um ihre Milchrationen balgen, ein ebenso rührendes wie hoffnungsvolles Schauspiel.
Büffel, Krokodile und ein scheuer Leopard
Wer nur auf Elefanten achtet, verpasst die halbe Vorstellung. Wasserbüffel suhlen sich in den flachen Uferzonen und mustern vorbeifahrende Jeeps mit stoischer Gelassenheit. Axishirsche und die deutlich größeren Sambarhirsche äsen an den Rändern des Graslands, Wildschweine durchpflügen in geschäftigen Familienverbänden das Gestrüpp. In den frühen Morgenstunden traben Goldschakale über die Pisten, während Hutaffen und Languren die Baumkronen entlang der Wasserläufe durchkämmen. Sumpfkrokodile liegen reglos an den Ufern des Stausees und an den Wasserlöchern. Auch Leoparden kommen in Udawalawe vor, doch das offene Gelände bietet ihnen wenig Deckung und den Beobachtern wenig Gelegenheit: Eine Sichtung ist hier ein seltenes Geschenk. Wer gezielt Großkatzen sucht, sollte dafür andere Parks der Insel einplanen und einen Leoparden in Udawalawe als unverhofften Bonus verbuchen.
Ein Paradies für Vogelbeobachter
Die Mischung aus offener Wasserfläche, Grasland und Dornbusch macht Udawalawe zu einem der lohnendsten Vogelgebiete der srilankischen Trockenzone. Besonders eindrucksvoll ist die Dichte an Greifvögeln: Schlangenweihen sitzen auf kahlen Ästen, Haubenadler spähen von hohen Bäumen, und Weißbauchseeadler ziehen ihre Kreise über dem Stausee. Buntstörche staken durch die Flachwasserzonen, begleitet von Reihern und Löfflern, während Pfauen auf den Ebenen ihre Räder schlagen und das Ceylonhuhn, der Nationalvogel des Landes, an den Wegrändern scharrt. Bienenfresser, Eisvögel und Bartvögel setzen bei fast jeder Fahrt Farbtupfer. Im Nordwinter gesellen sich Zugvögel aus dem Norden hinzu, weshalb die Monate zwischen etwa November und März für Ornithologen besonders ergiebig sind.
Safari praktisch: Anreise, Fahrten, Unterkunft
Udawalawe liegt verkehrsgünstig zwischen dem Hochland und den Stränden der Südküste und lässt sich daher mühelos in eine Rundreise einbauen. Die Pirschfahrten finden in offenen Geländewagen mit ortskundigen Fahrern statt, üblicherweise am frühen Morgen und am späten Nachmittag, wenn die Tiere am aktivsten sind und das Licht am schönsten fällt. Morgenfahrten locken mit kühler Luft, Schakalen und reger Greifvogelaktivität; Nachmittagsfahrten enden nicht selten mit Elefantensilhouetten vor dem abendlichen See. Die Unterkünfte reichen von einfachen Gästehäusern in den umliegenden Orten bis zu komfortablen Safaricamps nahe dem Parkeingang. Zwar ist Udawalawe beliebt, doch wirkt der Park selten überlaufen, und wer früh startet, hat die Pisten oft für sich.
Noch ein Wort zum Verhalten vor Ort: In der Nähe von Herden sollte man leise sprechen, den Fahrer niemals drängen, näher heranzufahren, als die Tiere es dulden, und einem Elefanten, der die Piste beansprucht, selbstverständlich den Vortritt lassen. Kühen mit kleinen Kälbern gebührt besondere Rücksicht. Ein Fahrer, der die Stimmung der Tiere lesen kann, ist mehr wert als einer, der das dichteste Foto verspricht, denn die schönsten Beobachtungen entstehen dort, wo sich die Elefanten vollkommen ungestört fühlen.
Die beste Reisezeit
Der Park liegt in der Trockenzone, und sein Safarikalender ist erfreulich unkompliziert. Da die Elefanten ganzjährig im Gebiet leben und nicht saisonal zuwandern, gibt es keinen Monat, in dem die Sichtungen ausbleiben. In den trockeneren Monaten konzentrieren sich die Tiere an See und Wasserlöchern, was die Beobachtungen noch vorhersehbarer macht; nach den Regenfällen ergrünt das Grasland und lockt die Herden auf die offenen Flächen. Vogelfreunde bevorzugen den Nordwinter wegen der Zugvögel. Kurz gesagt: Wann immer eine Reise in den Süden Sri Lankas führt, warten in Udawalawe Elefanten. Die Jahreszeiten verschieben nur die Nuancen, nicht den Erfolg.
Auf der Karte
Udawalawe ist nur ein Baustein im dichten Netz der Schutzgebiete Sri Lankas, und seine Lage zwischen Hochland und Südküste macht ihn zum idealen Ankerpunkt einer längeren Naturreise. Wer sehen möchte, wo genau der Park liegt, wie er sich um den Stausee legt und welche weiteren Nationalparks und Reservate in erreichbarer Nähe warten, öffnet am besten unsere interaktive Karte und zoomt in den Süden der Insel. Von dort lässt sich eine Route planen, die Elefanten, Leoparden, Lagunen und Regenwald zu einer einzigen unvergesslichen Reise verbindet.